| Lösungen:
Das Prinzip des Leclanche´-Elements ist
eigentlich ganz einfach: Man braucht einen Elektronen-Donator, also einen
Minus-Pol, einen Stromkreis mit einem Verbraucher und einen Plus-Pol,
den Elektronen-Akzeptor. Nun weiß jeder, dass Elektronen keine Mühe haben, in
metallischen Leitern zu fließen (Theorie vom Elektronengas). Aber wie steht es
mit dem Elektronenfluss in Ionenverbindungen? Diese leiten den Strom ja
nur in Form der Schmelze (erfordert hohe Temperaturen, entfällt also
hier!) oder in wässrigen Lösungen. Nun möchte keiner eine Batterie,
die ständig auslaufen könnte. Ohne Wasser funktioniert aber kein Transport
von Ladungsträgern. Die Lösung ist also: man braucht eine chemische
Reaktion, bei der soviel Wasser frei wird, wie für den Ladungstransport
nötig, aber nicht zu viel und das Wasser muss hinterher chemisch gebunden
werden, also aus dem Prozess verschwinden und das alles im Kreislauf!
Im
Einzelnen:
Zinkbecher: ist Minus-Pol, also Elektronendonator;
Braunstein, also MnO2 oder Mangandioxid, ist
Elektronenakzeptor, leider etwas pulvrig im Normalzustand, wird deswegen mit
Ruß (= Kohlenstoff, erhöht die elektrische Leitfähigkeit), Ammoniumchlorid
(Elektrolyt, erhöht ebenfalls die elektrische Leitfähigkeit, hat aber auch was
anderes zu tun) und Stärke (als Dickungsmittel) mit wenig Wasser
zu einem Brei/Paste zusammengerührt, die den Kohlestab als Plus-Pol
und damit letzten Endes Elektronenakzeptor umgibt. Der Kohlestab ist aber
eigentlich nur der Elektronenvermittler nach außen.
Chemische
Reaktionen an den Polen (nach Tausch, v. Wachtendonk, Chemie SII,
Kap. 8.1.; S. 192-193
Minus-Pol: Oxidation von Zink: Zn ---> Zn2+(aq) + 2e¯
Plus-Pol: Reduktion von MnO2: 2 MnO2(s)
+ 2 H2O(l) + 2e-
---> 2 MnO(OH)(s) + 2 OH ¯(aq); Braunstein reagiert also mit dem
Wasser!
2 OH ¯(aq) + 2 NH4+(aq) ---> 2 NH3(g) +
2 H2O(l) ; das 2 NH4+(aq) kommt aus der
angerührten Paste mit Ammoniumchlorid;
Zellspannung im unbelasteten Zustand: 1,5 V
Die Zellspannung sinkt im Betrieb, weil
durch die Bildung der Hydroxid-Ionen am Plus-Pol der pH-Wert steigt. Dadurch
sinkt das Potenzial (Redoxpotenzial) des Redoxpaares MnO(OH)/MnO2.
Das sich am Plus-Pol bildende gasförmige Ammoniak isoliert die Kohleelektrode
von der Umgebung, wodurch der Widerstand der Zelle ansteigt: deshalb sinkt auch
bei längerem Betrieb die Stromstärke. In Betriebspausen diffundiert das
gebildete Ammoniakgas in die Zelle und bildet mit Zink- und Chlorid-Ionen ein
schwerlösliches Salz.
Sekundärreaktionen:
ohne die würde das Element nicht funktionieren!
1. Reaktion der Zn-Ionen mit Ammoniak und Chlorid-Ionen zu: Zn2+(aq)
+ 2 NH3(g) --->[Zn(NH3)2]2+(aq):
Zink-Di-amin-Komplex-Verbindung
[Zn(NH3)2]2+(aq) + 2 Cl¯(aq) --->
[Zn(NH3)2]Cl2; Zink-Di-amin-chlorid;
2. Reaktion der Zn-Ionen mit Hydroxid-Ionen zu Zn-hydroxid und danach zu
Zn-oxid: Zn2+(aq) + 2 OH ¯(aq) ---> Zn(OH)2 (s)
Zn(OH)2 (s) ---> ZnO + H2O(l);
Dieses hier frei werdende Wasser kann dann wieder
mit Braunstein reagieren, die dabei gebildeten Hydroxid-Ionen reagieren mit den
Ammonium-Ionen aus dem Ammoniumchlorid ebenfalls zu Wasser. Im Gesamtprozess
wird also Wasser verbraucht und chemisch neu gebildet, d.h. die zugesetzte
Wasser-Menge ändert sich nicht. Wenn allerdings alles Zink aus dem Zink-Becher
verbraucht ist, tritt die wässrige Paste aus und kann das elektrische Gerät
beschädigen, deswegen sollte man Batterien nie zu stark und zu lange belasten
und sie nicht über lange Zeit in einem Gerät belassen.
Es gibt auch andere Darstellungen der
Funktionsweise des Leclanche´- Elements, die v.a. die Reaktionen am Plus-Pol
anders erklären:
2 H3O+ + 2e¯ ---> 2 H2O + H2;
Der Stromfluss kommt zum Stillstand, weil sich die Graphit-Elektrode
(Kathode) mit einer Wasserstoffhaut bedeckt. Braunstein wirkt hier nun als
Depolarisator, er reagiert nach 2 MnO2 + 2 H3O+
+ 2e¯ --> 2 MnO(OH) + 2 H2O bzw. in wässriger Lösung zu 2
MnO(OH) + 2 OH ¯(aq);
Beantwortung der
Fragen:
1. Warum erholt sich ein Leclanché-Element schneller, wenn man es
auf die Heizung legt?
Je nachdem, welche Version man mehr favorisiert: a) das am Plus-Pol
gebildete Ammoniak isoliert die Kohleelektrode von der Umgebung, wodurch der
Zellenwiderstand ansteigt und die Stromstärke sinkt, oder b) die
Graphit-Elektrode (Kathode) überzieht sich mit einer Wasserstoffhaut: in beiden
Fällen entstehen Gase, die die Elektrode von ihrer Umgebung isolieren, also den
Stromfluss unterbrechen. Die von der Heizung zugeführte Wärme sorgt lediglich
dafür, dass die Diffusion dieser Gase in die Umgebung (Konzentrationsgefälle!)
beschleunigt wird, also die Batterien schneller wieder einsatzbereit sind.
2. Warum neigen ältere, verbrauchte Batterien eher zum Auslaufen als
frische Batterien?
Weil der Zink-Mantel als Elektronendonator dient und damit stofflich
verbraucht wird, aus dem Zink wird (siehe Sekundärreaktion) poröses
Zinkhydroxid, aus dem schließlich Zinkoxid und das ist eben mechanisch nicht
stabil. Zusätzlich wird das in der Reaktion gebildete Wasser immer weniger
verbraucht, es entsteht also mehr Wasser als Lösungsmittel und das begünstigt
das Auslaufen.
3. Erkläre, weshalb ein Leclanché-Element durch Aufladen nicht
regenerierbar ist. Welche Reaktionen würden an den Elektroden ablaufen?
Warum wäre das Aufladen sehr gefährlich?
Die Produkte, die durch die Sekundärreaktion gebildet werden, sind nicht
rückführbar. D.h. diese Reaktionen verlaufen nicht als Gleichgewichtsreaktionen,
sondern einseitig irreversibel in einer Richtung von links nach rechts. Würde
man ein Leclanche´-Element aufladen wollen, entstände
durch die Elektrolyse von Wasser Wasserstoffgas am Minus-Pol und Sauerstoffgas
am Plus-Pol, also Knallgas, was zu Explosion führen würde. Deswegen wird auf den
Batterien ja davor gewarnt, sie aufzuladen bzw. in ein Ladegerät zu stecken. |