| Aus kinetischen Untersuchungen von
Reaktionsverläufen kann man Rückschlüsse auf den Reaktionsmechanismus
ziehen.
Zur Erinnerung: Ein Reaktionsmechanismus beschreibt die
einzelnen Schritte des Bindungsbruchs und der Bindungsneubildung, die
sich zwischen den reagierenden Partnern abspielen:
„Unter dem Reaktionsmechanismus einer organisch-chemischen
Reaktion versteht man die Gesamtheit aller Einzelphasen und
Teilreaktionsstufen, deren Ablauf zeitlich sowohl neben- als auch
nacheinander erfolgt." (G. Graeb: Reaktionen und Mechanismen,
DBV)
Erkenntnisse über diese einzelnen Schritte des Bindungsbruchs und
der -neubildung gewinnt die Chemie u.a. aus Untersuchungen der
Reaktionsgeschwindigkeit (RG):
Wie ändert sich die Reaktionsgeschwindigkeit in Abhängigkeit von
der Konzentration der Ausgangs- oder Endstoffe?
Reagieren zwei Stoffe A und B zu C und D, muss die Stöchiometrie
dieser Reaktion nicht identisch sein mit den elementaren Vorgängen, die
bei der Verbindungsneubildung ablaufen. Es kann sein, dass aus dem
Zusammenstoß
von A und B die Folgeprodukte C und D entstehen, es kann
aber auch sein, dass unabhängig von Stoff B der Stoff A irgendwelche
Veränderungen durchmacht, die Voraussetzung der weiteren Reaktion mit
Stoff B sind. Bei der
Untersuchung von Reaktionsgeschwindigkeiten ist
eine der zentralen Grundannahmen, dass der langsamste Schritt
einer in
mehreren Schritten verlaufenden Gesamtreaktion für die Geschwindigkeit
der Gesamtreaktion bestimmend ist.
Die Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit von der Konzentration
der beteiligten Stoffe beschreibt das Geschwindigkeitsgesetz einer
chemischen Reaktion. Dabei gibt es - vereinfacht - im Prinzip vier
verschiedene
Fälle: |
| Fall A: |
Die RG hängt nicht von der Konzentration
irgendeines Ausgangsstoffes ab. |
| Fall B: |
Die RG hängt nur von der Konzentration eines
Edukts in der 1. Potenz ab, dann ist die Reaktion 1. Ordnung. |
| Fall C: |
Die RG hängt von der Konzentration zweier
Ausgangsstoffe in der 1. Potenz oder eines Ausgangsstoffes in
der 2. Potenz ab, dann ist die Reaktion 2. Ordnung. D.h. hier
verhält sich die RG proportional zum Quadrat der Konzentration
eines Edukts oder proportional zum Produkt der Konzentrationen
zweier Edukte in einfacher Potenz. |
| Fall D: |
Die RG ist 3. Ordnung, gebrochener Ordnung oder
sogar negativ. |
|
|
Die Gesamtordnung einer Reaktion ist die Summe der Potenzen, zu denen
die einzelnen Konzentrationen im Geschwindigkeitsgesetz erhoben werden.
Die Reaktionsordnung muss grundsätzlich
experimentell bestimmt werden, sie kann nicht aus der Stöchiometrie der
Reaktion (makroskopische Betrachtungsweise) geschlussfolgert werden.
Gleichheiten zwischen Stöchiometrie und experimentell ermittelter
Reaktionsordnung haben keinen ursächlichen Zusammenhang.
Ausgangslage für die nachfolgende Betrachtung ist
die Reaktion von 2-Brompropan mit Natriumhydroxid in methanolischer
Lösung:
CH3-CHBr-CH3 + NaOH –> CH3-CHOH-CH3
+ NaBr
A
+ B
C
+ D
Zu jedem Zeitpunkt der Reaktion gilt: c(A) = c(OHG)
und c(C) = c(BrG) .
Die Versuchsdaten von Versuch 1 und Versuch 2:1
|
Tabelle 1:
|
Versuch 1 |
Versuch 2 |
|
t [min] |
c(A) = c(OH G)
[mol/l] |
t [min] |
c(A)=c(OH G)
[mol/l] |
|
0 |
10*10-4 |
0 |
1,5 |
|
285 |
9,6*10-4 |
11,3 |
1,44 |
|
1440 |
8,1*10-4 |
52,9 |
1,23 |
|
2160 |
7,3*10-4 |
104 |
1,04 |
|
2880 |
6,6*10-4 |
162 |
0,89 |
|
|
|
260 |
0,71 |
|
 |
|
|
Aus den Konzentrations-Zeit-Diagrammen sind die
zugrundeliegenden kinetischen Zusammenhänge nicht erkennbar,
außer:
Versuch 2 läuft in ca. 10-mal kürzerer Zeit ab als Versuch 1.
Denkbar einfache Zusammenhänge, nämlich
lineare, erhält man jedoch,
wenn man die vermuteten differentiellen Zeitgesetze in integrierte
Zeitgesetze umwandelt.
Geschwindigkeitsgesetze
- Zeitgesetze
Differentialgleichung des Zeitgesetzes 1. Ordnung:
Im Zeitgesetz 1. Ordnung hängt die RG nur von der
Konzentration eines Eduktes ab. Trägt man die RG gegen die
Konzentration auf, erhält man eine Gerade, die einer linearen Funktion
entspricht. Die Steigung der Geraden gibt
den Wert der
Proportionalitätskonstante k an, die somit zur
Geschwindigkeitskonstanten wird. Die Geschwindigkeitskonstante k ist
eine temperatur- und stoffabhängige Größe und somit unabhängig von
der
Konzentration.
vr = -dc(A)/dt = -k*c(A) = - k*c(OHG)
{1}
vr gibt die Konzentrationsänderung von A
in einem verschwindend kleinen Zeitintervall dt an, entspricht also der
Momentangeschwindigkeit. Die Umwandlung der Differentialgleichung geschieht
durch Integration in mehreren
Schritten:
1. Schritt: Trennung der
Variablen: 1/c(A) * dc(A) = - k*dt {2}
2. Schritt: Integration in den Grenzen von c=0 (Ausgangskonzentation
c0(A) bis c=A und t = 0 bis t = t
c(A)
t
I1/c(A) * dc(A) = -k *Idt
{3}
c0(A)
0
3. Schritt: Lösung des Integrals: ln c(A) = -k * t + const. {4}
Ist zu Beginn der Reaktion (t = 0) die Konzentration
von A, c(A) = 0, also c(A) = c0(A), so folgt durch Einsetzen
in die letzte Gleichung für die Integrationskonstante: const. = ln c0(A)
{5} .
Somit erhält man: ln c(A) = ln c0(A)
- k*t {6}
oder:
ln c0(A)/c(A) = k*t
{7}
bzw.:
k = 2,303/t * lg (c0(A))/c(A)
{8}
oder:
c(A) = c0(A) * e-k*t
{9}
Die letzte Gleichung beschreibt also die
Abhängigkeit der Konzentration von der Zeit bei einer Reaktion 1.
Ordnung.
Hat man experimentell c(A) als Funktion von t bestimmt,
verwendet man zur Auswertung Gleichung {6} oder {7}
und trägt dann ln
c(A) bzw. ln c0(A)/c(A) gegen t auf. Verläuft die Reaktion
nach der 1. Ordnung, erhält man eine
Gerade mit dem Achsenabschnitt ln
c0(A) bzw. eine Ursprungsgerade, deren Steigung den Wert der
Geschwindigkeitskonstanten k angibt.
|

Abb.2: Auswertung einer Reaktion 1. Ordnung: Auftragung nach
Gleichung {6} |

Abb.3: Auswertung einer Reaktion 1. Ordnung:
Auftragung nach Gleichung {7} |
|
|
Ein etwas anderer Ansatz geht von
folgenden Ausgangsdefinitionen aus:
Für das Geschwindigkeitsgesetz 1. Ordnung gilt das differentielle
Zeitgesetz in der folgenden Form:
vr = dx/dt = k*(a-x) {10}
Dabei sind: a = Anfangskonzentration
a-x = die Konzentration des Edukts zum Zeitpunkt t
x = die Konzentration des Edukts, die zum Zeitpunkt t bereits
zerfallen ist.
Die Gleichung dx/dt = k*(a-x) ist eine Differentialgleichung mit
getrennten Variablen. Die Variablen sind x und t, der
Differentialquotient ist dx/dt. Die Lösung der Differentialgleichung
erfolgt durch Trennung der Variablen und Integration:
1. Trennung der Variablen: dx / (a-x) = k * dt {11}
2. Integration:
Idx /
(a-x) = k * Idt {12}
3. Anwendung der Substitutionsmethode: a-x sei y und
-dx sei dy.
Dann gilt: - Idy / y = k * Idt
{13}
- ln y = k*t + A {14}
A ist hier die Integrationskonstante oder die Summe der
Integrationskonstanten.
- ln (a-x) = k*t + A {15}
Nun wird die Integrationskonstante durch die Anfangsbedingungen
festgelegt:
Bei t = 0 ist x = 0, somit gilt für -ln (a-x) = k*t + A dann: -ln a
= A {16}.
Damit lautet die Beziehung zwischen der Konzentration und der Zeit
bei einer Reaktion 1. Ordnung:
- ln (a-x) = k * t - ln a {17} entspricht
der Gleichung {6}
ln a - ln (a-x) = k * t {18} entspricht der
Gleichung {7}
oder: ln a / (a-x) = k * t {19}
Zur Bestimmung der Geschwindigkeitskonstanten löst man Gleichung
{18} nach k auf und erhält:
k = 1/t * ln a / (a-x) {20}
Zur Auswertung ist es nicht nötig, die wahren Konzentrationen a oder
a-y einzusetzen. Es genügt, gemessene Werte
(z.B. Volumenwerte in ml
oder Stromstärken in mA) einzusetzen, da der Quotient a/(a-x) eine
dimensionslose Zahl
ist.
|
| Zusammenfassung: (Tabelle 2) |
|
| ln c(A) = ln c0(A)
- k*t {6} |
ln c0(A)/c(A) =
k*t {7} |
c(A) = c0(A) * e-k*t {8} |
|
ln (a-x) = ln a - k * t {17} |
ln a / (a-x) = k * t {19} |
|
|
|
Wendet man also das Zeitgesetz 1. Ordnung auf die Daten des Versuchs 1
an, so erhält man die Werte
in Tabelle 3: Die graphische Darstellung ergibt das folgende Diagramm: |
|
Tabelle 3:
|
|
t [h] |
c(A) [mol/l] |
ln c(A) |
|
0 |
1,00e-03 |
-6,908 |
|
4,75 |
9,60e-04 |
-6,949 |
|
24 |
8,10e-04 |
-7,118 |
|
36 |
7,30e-04 |
-7,222 |
|
48 |
6,60e-04 |
-7,323 |
|
|
Dabei ist die blaue Linie die ursprüngliche
Kurve der Konzentration c(A) gegen t und die rote Linie die
Auftragung der Werte von ln c(A) gegen t. |
Die Steigung der Geraden ergibt den Wert von - k, der Achsenabschnitt
entspricht ln c0(A) .
|
 |
|
|
Das Zeitgesetz in der integrierten Form ist also:
(A) = c0(A) * e-k*t {8}
bzw. c(OHG)
= c0(OHG)*e-k*t
oder: ln c(A) = ln c0(A) - k*t {6}
bzw.
ln c(OHG) = ln c0(OHG)
- k*t
Besteht eine lineare Abhängigkeit zwischen dem Logarithmus der
Konzentrationswerte und der Zeit, ist damit das Zeitgesetz 1. Ordnung
gegeben.
|
|
Differentialgleichung des Zeitgesetzes 2. Ordnung:
Verläuft die Reaktion zwischen zwei Stoffen A und B
nach einem Zeitgesetz 2. Ordnung, so kann für die RG gelten:
vr = -dc(A)/dt = - dc(B)/dt =
k*c(A)*c(B)
{21}
Das Zeitgesetz kann aber auch diese Form haben:
vr = -dc(A)/dt = - dc(B)/dt = k*c(A)2
= k*c(B)2 {22}
Wählt man die Reaktionsbedingungen so, dass die
Anfangskonzentrationen c0(A) = c0(B) sind, dann
ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch während des gesamten
Reaktionsverlaufs, zu jedem beliebigen Zeitpunkt
c(A) = c(B) = c, wenn
Stoff A und Stoff B in äquivalenten Mengen umgesetzt werden. Es wird
also implizit ausgeschlossen, dass Stoff A oder Stoff B irgendwelche „Umwegreaktionen"
eingehen.
Unter diesen Bedingungen vereinfacht sich die
Gleichung zu {22}: - dc(A)/dt = k*c2 , wobei c = c(A) oder
c(B) ist.
Diese Differentialgleichung lässt sich nach Trennung
der Variablen c und t umformen:
1/c2(A)* dc(A) = - k * dt {23}
Die Integration ergibt den Term
c(A)
t
Idc/c2 = - k* Idt
{24}
c0(A)
0
die Lösung des Integrals den Term
-1/c(A) = -k*t + const. {25}
Für die Integrationskonstante const. ergibt sich der
Wert: const = - 1/c0(A) mit c0 =
Anfangskonzentration von Stoff A zum Zeitpunkt t = 0.
Die weitere Umformung von {25} ergibt den Ausdruck:
1/c(A) = 1/c0(A) + k * t {26}
oder c(A) = c0(A)/ (1 + c0 (A)*k*t)
{27}
|
 |
Zur Auswertung eines Versuchs, bei dem c(A) als
Funktion
von t bestimmt wurde, trägt man nach Gleichung {26} 1/c
gegen
t auf. Verläuft die Reaktion nach dem Zeitgesetz 2.
Ordnung, erhält
man eine Gerade mit dem Achsenabschnitt
1/c0 , deren Steigung
den Wert der Geschwindigkeitskonstanten
k angibt. Wendet man also das Zeitgesetz 2. Ordnung auf die
Daten des Versuchs 2 an, so erhält man die Werte in Tabelle
4: Die
graphische Darstellung ergibt das folgende Diagramm:
|
Tabelle 4:
|
t [min] |
c(A) [mol/l] |
1/c(A) |
|
0 |
1,5 |
0,67 |
|
11,3 |
1,44 |
0,69 |
|
52,9 |
1,23 |
0,81 |
|
104 |
1,04 |
0,96 |
|
162 |
0,89 |
1,12 |
|
260 |
0,71 |
1,41 |
|
 |
|
Die blaue Linie ist die ursprüngliche
Konzentrations-Zeit-Kurve, die rote Linie ergibt sich durch Auftragen
der
Werte von 1/c gegen die Zeit. Es besteht also eine lineare
Abhängigkeit zwischen dem Kehrwert der
Konzentration und der Zeit, was
dem Zeitgesetz der 2. Ordnung entspricht.
|
|
Reaktionsmechanismen |
| Unimolekulare
Reaktion SN1-Verlauf:
Die nach dem Geschwindigkeitsgesetz 1. Ordnung verlaufende
Nucleophile Substitution hängt also nur von der Konzentration des Substrats
ab, also von der Konzentration von 2-Brompropan. Die Konzentration des
Natronhydroxids spielt also offensichtlich keine Rolle. Unter diesen
Umständen wird diese Nucleophile Substitution 1. Ordnung wie folgt
erklärt: Im ersten langsamsten, geschwindigkeitsbestimmenden Schritt
dissoziiert |
 |
| das 2-Brompropan in ein Bromid-Ion und
ein sekundäres Carbenium-Ion, auch Carbokation genannt. Da dieser
Schritt nur von einem Teilchen abhängt, ist es ein sog. unimolekularer
Schritt, die Reaktion also eine unimolekulare Reaktion. Dieser
geschwindigkeitsbestimmende Schritt folgt also auf der stofflichen Ebene
der Kinetik 1. Ordnung.
Abb. rechts: Energiediagramm der SN1-Reaktion |
 |
| Bimolekulare
Reaktion - SN2-Verlauf:
Für das Geschwindigkeitsgesetz 2. Ordnung wird folgender
Mechanismus postuliert: In einem ersten langsamen,
geschwindigkeitsbestimmenden Schritt erfolgt die Bildung eines
Tradukts, in dem das C-Atom fünfbindig ist: die Annäherung des
Hydroxid-Ions und die Abspaltung |
 |
|
| des Bromid-Ions erfolgen gleichzeitig und
synchron.
Bindungsbruch und -neubildung finden also gleichzeitig statt.
Für die Bildung des Tradukts braucht es beide Stoffe: das
Substrat und das Agens. Also ist es insgesamt eine bimolekulare
Reaktion, weil für die Ausbildung des Übergangszustandes beide
Stoffe notwendig sind.
Im geschwindigkeitsbestimmenden Schritt sind beide
Konzentrationen in 1. Potenz vorhanden, also folgt die Kinetik
dem Geschwindigkeitsgesetz einer 2. Ordnung.
Die Reaktionsordnung
muss nicht immer mit der Molekularität komplementär
dahergehen. In diesem Fall ist jedoch die Nucleophile
Substitution 1. Ordung eine unimolekulare Reaktion und die
Nucleophile Substitution 2. Ordnung eine bimolekulare Reaktion.
Die Reaktionsordnung muss experimentell bestimmt werden,
spiegelt also einen chemischen Zusammenhang auf der
mathematischen Ebene wider. Die Reaktionsmolekularität
ist |

Abb. 7: Energieverlauf der SN2-Reaktion |
|
| lediglich eine Hypothese auf der Basis der
Reaktionsordnung (u. ggf. andere Fakten und Untersuchungsmethoden) und
bezieht sich auf die Umformung der Teilchen während der Reaktion, also
auf die Teilchenebene. |
|
Wann
verläuft eine Nucleophile Substitution nach dem SN1- oder dem
SN2-Mechanismus?
Bei einer Struktur wie dem 2-Brompropan hängt
dies von der Anfangskonzentration der Edukte ab: relativ große
Anfangskonzentrationen bewirken eine Reaktion nach SN2, relativ kleine
Anfangskonzentrationen eine Reaktion
nach SN1. Dazwischen, d.h. bei Konzentrationen um ca. 0,1 mol/l erhält
man beide Reaktionen nebeneinander in Konkurrenz zueinander.
Ist die Substrat-Struktur eindeutiger, d.h. kann sie
während des Übergangszustandes in der einen oder anderen
Richtung besser stabilisiert werden, läuft bevorzugt die Nucleophile
Substitution nach SN1 oder SN2 ab.
Wird z.B. durch die Existenz möglichst vieler
Methylgruppen unter dem Einfluss deren +I-Effekts das dreibindige
Carbokation stabilisiert, dann verläuft die Reaktion bevorzug nach SN1.
Gibt es derartige Stabilisierungsmöglichkeiten
für den Übergangszustand nicht, z.B. weil das Substrat ein primäres
C-Atom an der reagierenden Stelle besitzt, wird
SN2 bevorzugt.
Das
elektrophile Zentrum
Die Bildung eines Carbeniumions wird nur dann
begünstigt, wenn die positive Ladung durch das Molekül stabilisiert
werden kann. Dies kann bei Alkyl- oder Arylgruppen am elektrophilen
Kohlenstoffatom durch deren +I- oder +M-Effekte geschehen. Daher wird an
einem primären elektrophilen Zentrum eine SN2-Reaktion und an einem
tertiären Zentrum eine SN1-Reaktion begünstigt.
Die
Abgangsgruppe
Das Austrittsvermögen der Abgangsgruppe ist mit der
Stärke der konjugierten Säure proportional. Die Spaltung der
C-X-Bindung erfolgt umso leichter, je stabiler das austretende Ion oder
je stärker die korrespondierende Säure H-X ist:
I- > Br- > Cl-
>> F-
Das
Nukleophil
Die Geschwindigkeit wird mit zunehmender Nukleophilie
des angreifenden Teilchens erhöht:
RS- > CN- > I-
> OH- > Br- > Cl- > RCOO-
> H2O > F-
Das Lösungsmittel
Lösungsmittel solvatisieren die Reaktionspartner und
den Übergangszustand. Wichtige Eigenschaften sind ihre Polarität,
Solvatationsvermögen und die Fähigkeit,
Wasserstoff-Brückenbindungen auszubilden. Durch die
Auswahl eines Lösungsmittels kann daher das Verhältnis SN1 zu SN2
gesteuert werden. |
| Diese
Darstellung ist und kann nicht allumfassend die Nucleophile
Substitution behandeln, die einer der am besten untersuchten
Reaktionsmechanismen ist. Bestimmte Aspekte wie die Konfigurationsumkehr
(Inversion, Walden'sche Umkehr), eine genaue Definition von Racemat, die
Wagner-Meerwein-Umlagerung u.a. sind aus Gründen der Übersichtlichkeit
bewusst weggelassen worden. |
|
Literatur:
Flörke/Wolff: Kursthemen Chemie, Allgemeine und Physikalische Chemie
Gerhard Graeb: Reaktionen und Mechanismen, Organische Chemie in der
Kollegstufe, DBV
Heinz Wambach (Hrsg): Materialien-Handbuch Kursunterricht Chemie,
Band 3: Kinetik - Gleichgewichte - Massenwirkungsgesetz, Aulis-Verlag,
Deubner&Co
W. Jansen, B. Ralle, R. Peper: Reaktionskinetik und chemisches
Gleichgewicht, Aulis Kolleg Chemie
P.W. Atkins, J.A. Beran: Chemie - einfach alles, VCH
Tausch / v. Wachtendonk: Chemie SII, Stoff-Formel-Umwelt, C. C.
Buchner
K. H. Näser: Physikalische Chemie; VEB Leipzig 1971
M. Kindler: Organische Chemie Kompakt, CDCH-Verlag Hamburg 2001 |
|