| Substituenteneinflüsse bei der elektrophilen Zweit-Substitution | |||||||||
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Bei der Erst-Substitution am Benzol sind alle 6 C-Atome gleichberechtigt einem elektrophilen Angriff ausgesetzt, deswegen gibt es auch nur ein Monobrombenzol, ein Monochlorbenzol usw. Anders verhält es sich bei der Einführung eines zweiten Substituenten: Jeder Ringsubstituent beeinflusst die Reaktivität des Ringes und die Orientierung, d.h. den Eintrittsort des Zweit-Substituenten in den Ring. Der erste Substituent bestimmt also, wie schnell und wo die zweite Substitution erfolgt. 1. Begriffsbestimmungen Ein Substituent, der die Reaktivität des Rings im Vergleich zum Benzol erhöht, wird als aktivierend bezeichnet. Umgekehrt erniedrigt ein desaktivierender Substituent die Reaktivität des Ring im Vergleich mit dem Benzol. Ein Substituent, der eine Zweit-Substitution in ortho- und para-Stellung erleichtert, wird als ortho-para-dirigierend bezeichnet, eine Orientierung in meta-Stellung als meta-dirigierend benannt. 2. Experimentelle Ergebnisse Aus vergleichenden Untersuchungen, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll, kann geschlossen werden, welche Erst-Substituenten einen aktivierenden/desaktivierenden Einfluss haben und wohin sie bevorzugt den Zweit-Substituenten hin orientieren. Rein statistisch gesehen gibt es nach einer Erst-Substitution fünf weitere Orte für die Zweit-Substitution: zwei ortho-, zwei meta- und eine para-Stellung. Jede Position besitzt eine Wahrscheinlichkeit von 20 %, belegt zu werden. Addiert man die Positionen, erhält man zu 60% die Wahrscheinlichkeit der Belegung von ortho- und para-Stellungen und zu 40% die Belegung der meta-Position. Jede Abweichung von diesem Verteilungsmuster ist somit auf den Einfluss des Erst-Substituenten zurückzuführen. Ein Vergleich der Reaktionsgeschwindigkeiten mit der Erst-Substitution von Benzol erlaubt Rückschlüsse darüber, ob der Erst-Substituent aktivierend oder desaktivierend auf die Zweit-Substitution wirkt. Auf weitere Details bzw. konkrete Messergebnisse kann im Rahmen dieser Darlegung nicht weiter eingegangen werden. |
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Mit Hilfe dieser Daten lassen sich nun Reaktionen voraussagen bzw. zu einem gewünschten Endprodukt hinsteuern. Da bei der präparativen Synthese möglichst die Herstellung einer Rein-Substanz angestrebt und die Bildung von Isomeren-Gemischen vermieden werden soll wegen der anschließenden Trennungsprobleme, erlaubt die Kenntnis der Substituenteneinflüsse die Wahl der richtigen Synthesestrategie. Es macht also einen Unterschied, ob man zur Herstellung eines gewünschten Endprodukts erst den Substituenten A und dann B einführt oder umgekehrt. Soll etwa Bromnitrobenzol hergestellt werden, erhält man bei der Bromierung von Nitrobenzol das Produkt m-Bromnitrobenzol. Soll jedoch o- und p-Bromnitrobenzol dargestellt werden, wird man Benzol zuerst bromieren und dann nitrieren, dadurch erhält man 38% o-Bromnitrobenzol und 62% p-Bromnitrobenzol. Die Synthesestrategie hängt also vom gewünschten Endprodukt ab. Ebenso verhält es sich mit der Umwandlung von Substituenten in andere: m-Nitrobenzoesäure lässt sich durch Nitrierung von Benzoesäure erstellen, die wiederum aus der Oxidation von Toluol hergestellt werden kann. Auf diesem Wege lässt sich aber o- und p-Nitrobenzoesäure nicht erzeugen. Dagegen kann Toluol per Nitrierung in o- und p-Nitrotoluol umgewandelt werden und diese per Oxidation in o- und p-Nitrobenzoesäure. Da sich o- und p-Isomere im Siedepunkt häufig stark unterscheiden, lässt sich das Trennungsproblem per fraktionierter Destillation elegant lösen. |
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Wenn bestimmte Substituenten den Benzolring aktivieren
und eine Zweitsubstitution bevorzugt in o- und p-Stellung dirigieren,
andere desaktivieren und
bevorzugt in m-Stellung orientieren, dann hängt das sicher damit
zusammen, was im langsamsten,
geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der elektrophilen
Substitution passiert. Der langsamste, geschwindigkeitsbestimmende
Schritt ist die Bildung des Carbenium-Ions, egal, welches
spezifische Reagens daran beteiligt ist. Unterschiede in der
Substitutionsgeschwindigkeit sollten daher auf Unterschiede in der
Geschwindigkeit dieses Schrittes beruhen. Diese Unterschiede gehen bei
nahe verwandten Reaktionen wiederum auf Unterschiede in der Aktivierungsenergie
zurück, also auf Stabilitätsunterschiede der
Übergangszustände. Wie bei anderen Reaktionen mit Carbenium-Ionen
stabilisieren Faktoren, die die Energie des Carbenium-Ions durch Verteilung
der positiven Ladung senken, auch das sich bildende Carbenium-Ion im
Übergangszustand. Stabilere, weil energieärmere Carbenium-Ionen
entstehen also leichter und sind deswegen bevorzugt. Bei d |
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5. Orientierung Mit anderen Worten: Die Orientierung in die o-, m- und p-Position kommen auf die gleiche Weise zustande, der Einfluss eines beliebigen Substituenten - aktivierend oder desaktivierend - wirkt sich jedoch in den o- und p-Stellungen am stärksten aus. Vergleicht man die Grenzstrukturen beim Angriff eines
Elektrophils auf das Toluol
(aktivierende Methylgruppe) in den drei Stellungen
miteinander (Abb. 3), so wird deutlich, dass die positive Ladung
in Struktur II deswegen am stärksten erniedrigt wird,
weil sie direkt an dem C-Atom sitzt, das den
elektronenliefernden Substituenten Methylgruppe trägt. |
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Damit wird klar, dass sowohl die o-/p-Orientierung bei den aktivierenden Substituenten wie auch die m-Orientierung bei den desaktivierenden Substituenten logisch aus der Struktur des intermediären Carbenium-Ions folgt: Die Ladung ist in den Positionen ortho und para zum angegriffenen C-Atom am stärksten und deshalb erzielt sowohl ein aktivierender als auch ein desaktivierender Substituent in diesen Stellungen den größten Effekt. Das ungewöhnliche Verhalten der Halogene, die o-/p-dirigierend und zugleich desaktivierend sind, resultiert aus zwei einander entgegenwirkender Faktoren und wird später erläutert. Substituenten beeinflussen also durch ihre Fähigkeit, Elektronen abzugeben oder anzuziehen sowohl die Reaktivität als auch die Orientierung einer elektrophilen aromatischen Zweit-Substitution. Die bisher dargestellten Effekte sind induktive Effekte: sie gehen zurück auf die Elektronegativität des betreffenden Substituenten. Manche Gruppen jedoch wie -NH2 oder -OH bzw. deren Derivate wirken aktivierend, obwohl die elektronegativere Atome als das C-Atom enthalten und einen elektronenziehenden, also -I-Effekt ausüben und somit desaktivierend wirken sollten. Diese Gruppen müssen also noch eine zweite Möglichkeit besitzen, Elektronen an das Ringsystem abzugeben, da ihre Wirkung ja aktivierend ist. Diese zweite Möglichkeit beruht auf der Überlagerung freier nichtbindender Elektronenpaare des Substituenten mit den B-Elektronen des aromatischen Systems und wird als Resonanz- oder Mesomerie-Effekt bezeichnet. Das Stickstoff-Atom, obwohl elektronegativer als das C-Atom, wirkt (im Sinne der Lewis-Säure-Basen-Theorie) basisch: es neigt dazu, sein freies, nicht bindendes Elektronenpaar einem anderen Atom zur Verfügung zu stellen und eine positive Ladung zu übernehmen. Genauso wie Ammoniak NH3 unter Bildung des Ammonium-Ions NH4+ ein Proton anlagert, addieren dem Ammoniak verwandte Verbindungen Protonen und gehen in substituierte Ammonium-Ionen über. Das Reaktionsprinzip |NR3 + H —> NHR3+ mit R = H oder C-Verbindungen formuliert diese Reaktion. Die Hydroxyl-Gruppe besitzt eine ähnliche, wenn auch schwächere Basizität (im Sinne von Lewis). Hier verläuft die Reaktion nach dem Prinzip H2 O| + H+ –> H3 O+, wobei auch hier H durch C-Atome ersetzt werden kann.
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Elektronenoktett besitzt. Für Derivate der NH2- und OH-Gruppe gelten dieselben Überlegungen, sind es doch die freien nichtbindenden Elektronenpaare des N- und O-Atoms, die diesen Resonanzeffekt zustande kommen lassen. |
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lokalisiert, an dem sich auch das Cl-Atom befindet. Aufgrund seines induktiven Effektes zieht Chlor von dem C-Atom, mit dem es verknüpft ist, Elektronen ab, weshalb die Struktur IV besonders instabil ist. IV sollte daher nur geringfügig am Resonanzhybrid beteiligt sein, das daher weniger stabil sein sollte als das Resonanzhybrid aus dem m-Angriff. Der induktive Effekt alleine würde also nicht nur die Desaktivierung, sondern auch die m-Orientierung bewirken. |
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Die Struktur IX entspricht genau denselben Strukturen, die man für die aktivierende und o-/p-dirigierende Wirkung der NH2- und OH-Gruppe verantwortlich macht. Bei einem Angriff in m-Stellung entsteht kein derartiges Ion. Das Ion des p-Angriffs ist um so stabiler im Vergleich zu einem Angriff in m-Stellung, je größer die Beteiligung der Struktur IX am Resonanzhybrid ist. Obwohl man nichts über die relative Bedeutung der zwei Effekte - geringe Stabilität der Struktur IV und die Stabilisierung durch IX - aussagen kann, deuten die experimentellen Ergebnisse darauf hin, dass die Resonanzbeteiligung durch die Struktur IX ausschlaggebend ist. |
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| In ähnlicher Form wird das Ion (X - XIII), das bei einem
Angriff in o-Stellung entsteht, dadurch stabilisiert, dass das Cl-Atom
eine positive Ladung übernimmt.
Das Halogenatom zieht durch seinen -I-Effekt Elektronen aus dem Ring, dadurch wird das intermediäre Carbenium-Ion instabiler. Dieser Einfluss tritt bei einem Angriff auf alle Ringpositionen in Erscheinung, wirkt sich jedoch in o- und p-Stellung zum Halogen am stärksten aus. Das Halogen liefert aber durch seine freien Elektronenpaare einen Beitrag zum Resonanzeffekt, der Elektronen an den Ring liefert. Dadurch wird das intermediäre Carbenium-Ion stabilisiert. Dieser Effekt wird jedoch nur bei einem Angriff in o- und p-Position wirksam. Der induktive Effekt überwiegt den Resonanzeffekt und verursacht insgesamt einen Elektronenzug - er wirkt somit desaktivierend in allen Ringpositionen. Der Resonanzeffekt ist bei einem Angriff auf die o- und p-Stellungen dem induktiven Effekt entgegen gerichtet und damit werden die o- und p-Stellungen weniger desaktiviert als die m-Stellung. So bestimmt der stärkere induktive Effekt die Reaktivität und der schwächere Resonanzeffekt die Orientierung. Literatur: Morrison/Boyd: Lehrbuch der Organischen Chemie, VCH, Weinheim 1974; Abschnitt 11.2 bis 11.21, leicht verändert und gekürzt. |
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update am:13.03.12 zurück zur Hauptseite